Warum dieser Beitrag
In den letzten Tagen haben mich mehrere Kunden mit derselben Frage kontaktiert: „Mein Tagesbudget liegt bei 20 Euro, aber Google Ads gibt plötzlich 30 oder sogar 40 Euro pro Tag aus. Ist das ein Fehler?”
Die kurze Antwort: Nein, das ist kein Fehler. Google hat zum 1. Juni 2026 die Logik geändert, mit der Tagesbudgets über den Monat verteilt werden. Betroffen sind vor allem Kampagnen mit Werbezeitplaner, also Kampagnen, die nur an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Uhrzeiten laufen. Die Änderung ist offiziell, belegt und betrifft sehr viele Konten. In diesem Beitrag erkläre ich, was genau passiert ist, zeige die Auswirkung an echten Zahlen aus einem Kundenkonto und gebe konkrete Empfehlungen, wie Sie Ihre Budgets jetzt einstellen sollten.
Das Tagesbudget war noch nie ein hartes Limit
Zur Einordnung: Das Tagesbudget in Google Ads war schon immer ein Durchschnittswert, kein Tageslimit. Zwei Regeln gelten seit Jahren und gelten auch weiterhin:
- An einzelnen Tagen darf Google bis zum Doppelten des Tagesbudgets ausgeben. Bei 20 Euro Tagesbudget sind also Tage mit bis zu 40 Euro möglich.
- Pro Abrechnungsmonat darf Google maximal das 30,4-Fache des Tagesbudgets abrechnen. Bei 20 Euro sind das 608 Euro. Wird mehr ausgeliefert, schreibt Google die Differenz als Überlieferungskosten automatisch gut.
Diese beiden Obergrenzen haben sich nicht geändert. Geändert hat sich, wie aggressiv Google sie ausnutzt.
Was sich zum 1. Juni 2026 geändert hat
Bis Ende Mai hat Google die Ausgaben an den Tagen ausgerichtet, an denen die Anzeigen tatsächlich liefen. Ein Beispiel: Eine Kampagne mit 20 Euro Tagesbudget, die per Werbezeitplaner nur an Werktagen läuft, hatte rund 22 aktive Tage pro Monat. Google hat das Budget auf diese 22 Tage verteilt, die Monatsausgaben lagen also bei etwa 440 Euro.
Seit dem 1. Juni 2026 steuert Google auf die volle Monatsobergrenze zu, unabhängig davon, an wie vielen Tagen die Kampagne aktiv ist. Dieselbe Kampagne zielt jetzt auf 20 Euro × 30,4 = 608 Euro pro Monat, verteilt auf nur 22 aktive Tage. Das ergibt im Schnitt rund 27,60 Euro pro Werktag, an starken Tagen auch deutlich mehr. Die Anzeigen laufen weiterhin ausschließlich in den geplanten Zeitfenstern. Innerhalb dieser Fenster wird aber spürbar mehr ausgegeben.
Google hatte die Umstellung im Februar 2026 angekündigt, ursprünglich zum 1. März geplant und dann auf den 1. Juni verschoben. Der Rollout erfolgt schrittweise, betroffene Werbetreibende wurden per Benachrichtigung im Konto informiert. Google-Ads-Sprecherin Ginny Marvin hat die Änderung öffentlich bestätigt und eingeordnet:
„Die Ausgaben werden weiterhin von den Kampagnenzielen gesteuert, und keine Kampagne wird die bestehenden Abrechnungsobergrenzen überschreiten.” (Ginny Marvin, Google Ads Liaison, Übersetzung aus dem Englischen)
Das Fachportal Search Engine Land bringt die Umstellung auf den Punkt: Budget-Pacing richtet sich künftig weniger danach, wann Anzeigen laufen, sondern danach, dass das volle Budget ausgegeben wird.
So sieht das in einem echten Konto aus
Die Zahlen aus einem von mir betreuten Kundenkonto zeigen den Bruch exakt am Stichtag. Die Kampagne hat 20 Euro Tagesbudget und läuft per Werbezeitplaner nur montags bis freitags:
| Zeitraum | Tagesausgaben |
|---|---|
| 28. und 29. Mai | 19,14 € und 19,21 €, sauber unter Budget |
| 1. bis 10. Juni | 22,20 € / 29,58 € / 29,10 € / 17,85 € / 29,54 € / 36,39 € / 28,44 € / 28,49 € |
Vor dem 1. Juni blieb jeder Tag unter 20 Euro. Seit dem 1. Juni liegt fast jeder Werktag darüber, im Schnitt bei 27,70 Euro. Hochgerechnet auf 22 Werktage sind das rund 609 Euro im Monat. Das entspricht fast exakt der Monatsobergrenze von 608 Euro. Google schöpft das neue Kontingent also nicht ungefähr aus, sondern punktgenau.
Wer betroffen ist
Betroffen sind alle Kampagnen, die einen Werbezeitplaner nutzen, also nicht durchgehend an allen Tagen rund um die Uhr laufen. Je stärker die Einschränkung, desto größer der Effekt: Eine reine Wochenend-Kampagne kann sich im Monatsbudget nahezu verdoppeln. Kampagnen ohne Zeitplan verhalten sich wie bisher. Besonders deutlich zeigt sich der Effekt bei Kampagnen mit dem Status „Durch das Budget eingeschränkt” und bei ungedeckelten Smart-Bidding-Strategien wie „Conversions maximieren”, weil diese jede Gelegenheit nutzen, das verfügbare Kontingent auszugeben.
Best Practices: So gehen Sie jetzt vor
1. Tagesbudget neu berechnen. Die wichtigste Maßnahme. Rechnen Sie nicht mehr mit den aktiven Tagen, sondern mit der Formel: gewünschtes Monatsbudget geteilt durch 30,4. Beispiel: Sie wollen an 22 Werktagen je 20 Euro ausgeben, also 440 Euro im Monat. Dann stellen Sie 440 ÷ 30,4 = rund 14,50 Euro als Tagesbudget ein. Die einzelnen Tage schwanken weiterhin, aber die Monatssumme landet beim Zielwert. Dieser Rechenweg entspricht auch der von Google bestätigten Empfehlung.
2. Gesamtbudgets für harte Obergrenzen nutzen. Google hat Anfang 2026 feste Gesamtbudgets für Zeiträume von 3 bis 90 Tagen ausgeweitet. Anders als das Tagesbudget sind sie ein hartes Limit, das nicht überschritten wird. Für Aktionen, Testläufe oder Konten mit fixem Monatsetat sind sie die verlässlichere Steuerung.
3. Automatisierte Regeln und Benachrichtigungen einrichten. Legen Sie im Konto Regeln an, die Sie bei Erreichen von zum Beispiel 75 und 90 Prozent des Monatsziels benachrichtigen. So bemerken Sie Abweichungen, bevor sie teuer werden. Von täglichen Pausierungs-Regeln rate ich dagegen ab, sie stören das Smart Bidding.
4. Auf die Monatssumme statt auf Einzeltage schauen. Die relevante Kontrollgröße ist die Abrechnungsübersicht, nicht der einzelne Tag. Solange der Monat unter dem 30,4-Fachen des Tagesbudgets bleibt, ist alles regelkonform. Liegt er darüber, wird die Differenz automatisch gutgeschrieben.
5. Budgetbeschränkte Kampagnen prüfen. Kampagnen mit dem Hinweis „Durch das Budget eingeschränkt” reizen das neue Kontingent am stärksten aus. Prüfen Sie hier zuerst, ob das Budget zur tatsächlichen Zielsetzung passt, und passen Sie es nach der Formel aus Punkt 1 an.
Fazit
Die Verwunderung ist berechtigt, denn Google hat das Verhalten von Tagesbudgets nach vielen Jahren grundlegend geändert. Ein Fehler ist es nicht, und abgerechnet wird weiterhin maximal das 30,4-Fache des Tagesbudgets pro Monat. Wer aber einen Werbezeitplaner nutzt und sein Budget bisher pro aktivem Tag kalkuliert hat, gibt seit dem 1. Juni 2026 real mehr Geld aus als vorher. Die Lösung ist unspektakulär: Tagesbudget einmal neu berechnen, Benachrichtigungen einrichten, Monatssumme im Blick behalten.
Wenn Sie unsicher sind, wie sich die Umstellung auf Ihr Konto auswirkt, prüfe ich das gern. Als Google Ads Freelancer betreue ich Konten vom kleinen lokalen Budget bis zum fünfstelligen Monatsetat. Ob sich Anzeigen oder organische Sichtbarkeit für Sie mehr lohnen, habe ich übrigens im Beitrag Google Ads oder SEO verglichen.
Quellen und weiterführende Links
- Search Engine Land: Google to change budget pacing for campaigns using ad scheduling (Februar 2026)
- Search Engine Roundtable: Google Ads Budget Pacing For Ad Scheduling Updated
- TheOptimizer: Google Ads Just Changed How Daily Budgets Work
- Cypress North: Google Updates Ad Scheduling Budget Pacing
- Google Ads Hilfe: Warum Kosten Ihr durchschnittliches Tagesbudget übersteigen können
Brauchen Sie Unterstützung?
Als SEO-Freelancer mit über 20 Jahren Erfahrung helfe ich Ihnen, Ihre Online-Sichtbarkeit nachhaltig zu steigern.
Über den Autor
Christian SynoradzkiSEO-Freelancer
Mehr als 20 Jahre Erfahrung im digitalen Marketing. Fairer Stundensatz, keine Vertragsbindung, direkter Ansprechpartner.
Alle Artikel finden Sie im Blog.