Kontrolle nach oben, Verantwortung nach unten
Seit dem 1. Juli 2026 erlauben die Google-Ads-Bedingungen Google ausdrücklich, Ausrichtung, Anzeigen und Zielseiten im Namen des Werbetreibenden zu formatieren, auszuwählen oder zu erzeugen. Die Pflicht, genau diese automatisch erzeugten Kampagnen und Assets zu prüfen, freizugeben oder zu entfernen, bleibt beim Werbetreibenden, und sie endet nicht mit dem Kampagnenstart. Kurz gesagt: Google entscheidet mehr, Sie haften weiter.
Das ist der Satz, auf den ich diesen Beitrag zuspitze, und er hat eine praktische Folge, die Geld kostet. Automatisierte Kampagnen sparen keine Arbeit. Sie verschieben sie. Weg vom Aufsetzen, hin zum Kontrollieren.
Was in den neuen Bedingungen steht
Die entscheidende Formulierung in den zum 1. Juli 2026 gültigen Bedingungen lautet im Original:
„to format, select, or generate targets, ads, or destinations on Customer’s behalf”
Drei Dinge stehen darin, die vorher Sache des Kontos waren: wen die Kampagne anspricht, was in der Anzeige steht und wohin der Klick führt. Google darf das jetzt vertraglich abgesichert selbst übernehmen. Im Gegenzug behält der Werbetreibende die dauerhafte Pflicht, automatisch erzeugte Kampagnen und Assets zu prüfen, freizugeben oder zu entfernen (Search Engine Land, 2. Juni 2026, und ppc.land, 1. Juni 2026).
Für Performance Max und AI Max ist das keine theoretische Frage. Dort entstehen Assets ohnehin automatisch, und das Konto liefert Signale statt fertiger Anzeigen. Wer mit Asset Group Signals arbeitet, hat nie jede Kombination gesehen, die ausgeliefert wird. Neu ist nicht die Technik, neu ist, dass die Prüfpflicht dazu jetzt schwarz auf weiß beim Kunden liegt.
Das KI-Label „How this ad was made”
Am 9. Juli 2026 hat Google eine zweite Änderung angekündigt: eine Kennzeichnung mit dem Namen „How this ad was made”. Sie erscheint weltweit im My Ad Center bei Anzeigen in der Suche, auf YouTube und in Discover und zeigt an, ob eine Anzeige mit KI erstellt oder bearbeitet wurde (Search Engine Land, 9. Juli 2026).
Zwei Fälle sind zu unterscheiden, und der zweite ist der wichtige:
- Googles eigene KI-Werkzeuge. Hier setzt Google das Label automatisch. Sie müssen nichts tun.
- Fremde KI-Werkzeuge. Hier muss der Werbetreibende selbst angeben, dass KI im Spiel war. Wenn Sie Bilder, Videos oder Texte außerhalb von Google erzeugen und hochladen, ist das Ihre Angabe.
Die zugehörige Einstellung kommt schrittweise im Juli 2026 in Google Ads, Display & Video 360, Campaign Manager 360, Merchant Center und Ads Editor. Ein Satz aus Googles eigener Richtlinie sollte dabei jeder gelesen haben, der die Einstellung für einen Freibrief hält: Die Nutzung der Einstellung garantiert keine Rechtskonformität. Google baut ein Feld, füllt es teilweise selbst und übernimmt trotzdem keine Verantwortung dafür, ob Ihre Kennzeichnung am Ende ausreicht.
Für Werbetreibende in der EU kommt am 2. August 2026 eine eigene Kennzeichnungspflicht aus der KI-Verordnung dazu. Die ist ein Thema für sich und hat mit dem Google-Schalter nur den Anlass gemeinsam. In diesem Beitrag bleibe ich beim Konto.
Die zweite Regeländerung in zwei Monaten
Am 11. Juni habe ich beschrieben, wie Google zum 1. Juni 2026 die Verteilung der Tagesbudgets umgestellt hat und Kampagnen mit Werbezeitplaner seither auf die volle Monatsobergrenze zusteuern. Wer nichts geändert hat, gibt seither real mehr aus. Der ganze Fall steht im Beitrag Google Ads gibt mehr aus als das Tagesbudget.
Vier Wochen später erlaubt sich Google vertraglich, Anzeigen und Zielseiten selbst zu erzeugen. Beide Änderungen sind offiziell, beide sind unspektakulär formuliert, und beide verschieben etwas vom Werbetreibenden zu Google. Beim Budget die Entscheidung über das Tempo, bei den Bedingungen die Entscheidung über den Inhalt. Wer Google Ads fährt, sollte sich darauf einstellen, dass so etwas jetzt öfter kommt.
Der Monatstermin, den Google nicht mitverkauft
Die Konsequenz ist unbequem und trotzdem einfach. Wenn Sie Performance Max oder eine andere stark automatisierte Kampagne fahren, brauchen Sie ab sofort einen festen Termin im Monat, an dem jemand durchsieht, was die Maschine in Ihrem Namen produziert hat. Nicht bei Gelegenheit, sondern mit Datum im Kalender.
So sieht ein solcher Durchgang in den Konten aus, die ich betreue:
1. Automatisch erzeugte Assets lesen. Überschriften, Beschreibungen, zugeschnittene Bilder. Ich lese sie so, wie ein Kunde sie liest, nicht wie eine Tabelle. Gesucht wird nach Aussagen, die niemand im Unternehmen so unterschrieben hätte: erfundene Leistungsversprechen, veraltete Angebote, ein falscher Ortsname. Wenn Sie automatisch erstellte Assets nicht wollen, ist das Abschalten Teil desselben Termins.
2. Suchbegriffe durchgehen. Nicht die Keywords, sondern das, wonach tatsächlich gesucht wurde. Alles, was thematisch danebenliegt, wandert in die Liste der Negative Keywords. Das ist die Stelle, an der automatisierte Kampagnen am schnellsten Geld verbrennen.
3. Zielseiten prüfen. Wenn Google die Zielseite auswählen darf, landen Klicks auch auf Seiten, die Sie nicht dafür vorgesehen haben. Ein ausverkauftes Produkt, eine alte Aktionsseite, eine Landingpage ohne Formular. Jede automatisch angesteuerte Seite einmal selbst aufrufen dauert zehn Minuten und verhindert die teuersten Fehler.
4. Anzeigenkombinationen ansehen. Bei Responsive Search Ads setzt Google die Bausteine selbst zusammen. Manche Kombinationen ergeben Sätze, die einzeln geprüft nie aufgefallen wären.
5. Die KI-Kennzeichnung nachziehen. Wurde seit dem letzten Termin Material aus einem fremden Werkzeug hochgeladen? Dann gehört die Angabe gesetzt. Das ist eine Minute Arbeit und die einzige, die Ihnen niemand abnimmt.
6. Notieren, was Sie entfernt haben. Ein kurzer Vermerk mit Datum. Wenn später jemand fragt, warum eine Anzeige so aussah, ist das der Unterschied zwischen einer Antwort und einem Achselzucken.
Bei einem kleinen Konto dauert das eine gute Stunde im Monat, bei einem großen mehrere. Das ist der Preis der Automatisierung, und er steht auf keiner Rechnung von Google. Smart Bidding hat das Gebotsmanagement abgenommen und dafür die Datenpflege wichtiger gemacht. Die automatische Asset-Erzeugung nimmt das Schreiben ab und macht dafür das Redigieren wichtiger. Das Muster wiederholt sich.
Fazit
Google hat sich im Juli 2026 zwei Dinge geholt: das Recht, Anzeigen und Zielseiten selbst zu erzeugen, und ein Label, das offenlegt, dass KI im Spiel war. Was Google nicht übernommen hat, ist die Verantwortung für das Ergebnis. Die liegt unverändert bei dem, der die Rechnung bezahlt.
Das ist kein Grund, Performance Max abzuschalten. Es ist ein Grund, die Kontrolle einzuplanen statt zu hoffen, dass sie nicht nötig wird. Ein fester Monatstermin, sechs Punkte, ein kurzer Vermerk. Wer das nicht tut, spart genau so lange Zeit, bis in einer automatisch erzeugten Anzeige etwas steht, das er erklären muss.
Wenn Sie wissen wollen, was in Ihrem Konto gerade automatisch entsteht, sehe ich mir das gern an. Als Google Ads Freelancer betreue ich Konten vom kleinen lokalen Budget bis zum fünfstelligen Monatsetat, die Konditionen stehen offen auf der Seite Preise. Ob sich für Sie bezahlte Anzeigen oder organische Sichtbarkeit mehr lohnen, habe ich im Beitrag Google Ads oder SEO verglichen.
Quellen und weiterführende Links
- Search Engine Land: Google adds AI ad disclosures across Search, YouTube and Discover (9. Juli 2026)
- Google Ads-Richtlinien: Angaben zur KI-Nutzung bei Anzeigen
- Search Engine Land: Google Ads updates terms of service ahead of July 2026 rollout (2. Juni 2026)
- ppc.land: Google Ads tells advertisers how their inputs will be used starting July 2026 (1. Juni 2026)
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Über den Autor
Christian SynoradzkiSEO-Freelancer
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